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E-Health

Patientenakte kommt für alle als App

Krankenkassen, Ärzte und Ministerium einigen sich auf gemeinsamen Fahrplan und Standards
veröffentlicht am 17.10.2018 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Politik, Krankenkassen und Ärzte bringen die elektronische Patientenakte für alle auf den Weg Politik, Krankenkassen und Ärzte bringen die elektronische Patientenakte für alle auf den Weg(c) fotolia.de / kebox
Vertreter von Politik, Krankenkassen und Ärzteschaft haben sich bei Verhandlungen in Berlin auf gemeinsame Standards und einen Fahrplan für die elektronische Patientenakte geeinigt. Diese Anwendung soll den Arztbrief und viele weitere Dokumente ersetzen und bis spätestens 2021 zur Verfügung stehen. Die flächendeckende digitale Vernetzung im Gesundheitswesen ist durch die Einigung in greifbare Nähe gerückt.

2018-10-17T10:48:00+00:00
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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte deutlich, dass die Bundesregierung schnelle Fortschritte und Ergebnisse erwartet.  „Verzögerungen akzeptieren wir nicht länger.“ , so Spahn gegenüber Journalisten. Ursprünglich war schon seit 2004 durch die Bundesregierung eine erweiterte elektronische Gesundheitskarte als Lösung favorisiert worden, auf der die Patientendaten gespeichert werden sollten. Nun ist die technische Entwicklung durch die mobilen Anwendungen überholt worden. Im September 2018 startete mit „vivy“ für Millionen Versicherte die erste offizielle Variante einer mobilen digitalen Patientenakte in Form eine App.  

Wie weiter mit der Elektronischen Gesundheitskarte ?

Auch die elektronischen Gesundheitskarte soll auf die Patientenakte zugreifen Auch die elektronischen Gesundheitskarte soll auf die Patientenakte zugreifen(c) Kartengrafik: Gematik GmbH
Mit der Einführung der zweiten Generation der Elektronischen Gesundheitskarte (eGK G2) besteht die Möglichkeit, auch direkt auf der Chipkarte Daten abzulegen und abzugleichen. Hier gibt es wegen der schleppenden technischen Ausstattung der Arztpraxen mit entsprechenden Lesegeräten enorme Zeitverzögerungen.  Doch auch hier macht die Politik nun Druck. Ab 2019 sollen die Patientenstammdaten mit der eGK abgeglichen werden können. Später sollen dann auch Arzneimittelverordnungen, ein elektronischer Notfallausweis und ein Zugang zur Patientenakte hinzukommen. Nach der Dynamik der derzeitigen Entwicklungen gehen Politik und Experten davon aus, dass die Mehrheit der Versicherten eher mit der mobilen App auf die Patientenakte zugreifen wird. 

Zentrale Datenspeicherung kommt

Nach den verabschiedeten Plänen soll die Zweckgesellschaft Gematik das verschlüsselte Datennetz mit Standard-Schnittstellen aufbauen. Auf dieser gemeinsamen Telematik-Infrastruktur bauen dann die einzelnen Kassen mit ihren Patientenakten auf. Die Gesundheitsdaten sollen auf zentralen Servern gespeichert werden, die in Deutschland liegen. Die genaue einheitliche Rahmenstruktur der Patientenakten soll von einem neuen Arbeitskreis des GKV-Spitzenverbandes festgelegt werden.Versicherte, die ihre Krankenkasse wechseln, sollen die gespeicherten Daten zur neuen Krankenkasse herübernehmen können.


Welche Krankenkassen bieten eine elektronische Patientenakte an bzw. entwickeln diese? >>> Krankenkassentest


Ärzte, Apotheken, Kliniken, und Krankenkassen sollen nach der individuellen Zustimmung des Versicherten auf bestimmte Daten zugreifen können. Die in der Akte abgelegten Daten können drei verschiedenen Bereichen angehören. Zum einen handelt es sich um medizinische Befunde, Verordnungen und andere Gesundheitsdaten. Weiterhin ist den Krankenkassen ein „gestaltbarer Bereich“ vorbehalten, in dem wettbewerbsrelevante Angebote wie zum Beispiel Bonusprogramme eine Rolle spielen können. Aber auch Abrechnungsquittungen und andere Dokumente können dort abrufbar gemacht werden. Der dritte Bereich soll für individuelle lebensstilrelevante Daten der Versicherten reserviert bleiben., wie sie zum Beispiel von Fitness-Apps oder Ernährungsassistenten erhoben werden.

Datenschutz wird versprochen

mit vivy abgerufener gespeicherter Befund mit vivy abgerufener gespeicherter Befund(c) vivy GmbH
Bei Datenschutz und Datenhoheit gelten strenge Richtlinien. Die Versicherten sollen stets kontrollieren können, wer auf ihre Daten zugreifen darf und wer nicht. Nach dem Start von vivy hagelte es jedoch Kritik von Datenschützern, nachdem bekannt geworden war, dass die App im Hintergrund so genannte 'Analytik'-Module beinhaltet, die selbstständig Informationen an ausländische Firmen wie zum Beispiel Mixpanel, Crashlytics oder Google übermitteln. Auch eine geplante Gesetzesänderung sorgte für Kritik, weil die zugesicherte vollständige Datenhoheit der Versicherten darin wieder eingeschränkt wird.  

Seit dem offiziellen Start von vivy haben theoretisch mehr als 10 Millionen menschen die Möglichkeit, mit der App ihre Gesundheitsdaten abzuspeichern.

Folgende Kassen bieten die App für ihre Versicherten

DAK Gesundheit

IKK Classic

IKK Südwest

IKK Nord

BKK DürkoppAdler

BKK HMR

BKK Gildemeister Seidensticker

Heimat Krankenkasse

pronova BKK

mhplus BKK

Bertelsmann BKK

BKK Diakonie

 

 

 

Weiterführende Artikel:
  • Welche Vision steckt hinter Vivy?
    Die digitale Vernetzung zwischen Arzt, Patient, Labor, Klinik und Krankenkasse steht in den Startlöchern und wird das Gesundheitswesen verändern. IT-Gründer Christian Rebernik hat mit Vivy eine neue digitale Plattform dafür geschaffen, unterstützt unter anderem von DAK, Bahn BKK und IKK Classic.
  • Ärztetag macht sich stark für einheitliche Elektronische Patientenakte
    Der deutsche Ärztetag in Erfurt hat die Politik aufgefordert, die derzeit laufende parallele Entwicklungen von elektronischen Gesundheitsakten der Krankenkassen zu beenden.
  • Ich sehe die digitale Selbstbestimmung als gefährdet an.
    Immer wieder betonen Politik, Krankenkassen und IT-Unternehmen, dass Datenschutz und Datenhoheit der Versicherten an erster Stelle stehen, wenn im Gesundheitswesen alle medizinischen Daten miteinander vernetzt werden. Dr. Bernhard Scheffold vom Verein Patientenrechte-Datenschutz e.V. hält das für eine Illusion.
  • Guter Start für elektronische Patientenakte vivy
    Mehr als 50.000 Versicherte haben sich die digitale Patienten-App vivy seit dem Start heruntergeladen. Das erste marktfähige Angebot einer digitalen und mobilen Gesundheitsakte (Patientenakte) ist offiziell seit Montag, dem 17. September verfügbar.

 

 

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