Hauptregion der Seite anspringen
Gesundheitspolitik

Organspende: Neue Initiative im Bundestag für Widerspruchslösung

Spahn und Lauterbach sammeln Stimmen außerhalb der Koalition
veröffentlicht am 01.04.2019 von Redaktion krankenkasseninfo.de

(c) Tim Reckmann / pixelio.de
Eine Gruppe von Parlamentariern um Gesundheitsminister Spahn (CDU) und den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat in Berlin aktualisierte Pläne für ein neues Organspendegesetz vorgestellt und verteidigt. Dieser sieht die Einführung einer so genannten „doppelten Widerspruchslösung“ und eine generelle Entscheidungspflicht über eine Organspende vor.   

2019-04-01T13:39:00+00:00
Werbung

Eine Gruppe von Parlamentariern um Gesundheitsminister Spahn (CDU) und den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat in Berlin aktualisierte Pläne für ein neues Organspendegesetz vorgestellt. Dieser sieht die Einführung einer so genannten „doppelten Widerspruchslösung“ und eine generelle Entscheidungspflicht über eine Organspende vor.   

Widerspruchslösung greift ab 18 Jahren automatisch

Jeder Mensch über 18 Jahren soll demnach eine Entscheidung über die eigene Organspendebereitschaft treffen und dokumentieren. Wird keine Entscheidung getroffen beziehungsweise keine Ablehnung dokumentiert, gilt man automatisch als potenzieller Organspender im Falle des eigenen Hirntodes.  

Bislang gehört die Bundesrepublik zur verbliebenen Minderheit von acht EU-Staaten, in denen die so genannte „Entscheidungslösung“ gilt. Das bedeutet, dass die Menschen ihren Willen, Organspender zu werden, aktiv und ausdrücklich zuvor bekunden müssen und einen Organspendeausweis als Nachsweis bei sich führen.  

Weil der dramatische Engpass bei Spenderorganen nicht durch entsprechende Kampagnen behoben werden konnte, drängt die Politik nun auf eine Umkehrung des Prinzips und die Einführung einer Widerspruchslösung. Demnach soll bald jeder Mensch ab 18 Jahren automatisch als Organspender in einer Kartei registriert werden, der dem nicht ausdrücklich widersprochen hat.

Fachliche Kritik und ethische Bedenken

Durch diese Umkehrung des Prinzips soll die Zahl der Organspenden deutlich erhöht und die Zahl der Sterbefälle aufgrund zu langer Wartezeiten auf ein Spenderorgan reduziert werden.  Kritiker sehen allerdings die Gefahr wachsen, gegen den eigenen Willen zum Organspender gemacht zu werden, weil man versäumt hat zu widersprechen oder aus anderen Gründen nicht in der Lage war dies zu tun. Auch aus medizinethischer Sicht gilt es als umstritten und schwierig, die Schwelle zum Hirntod eines Menschen eindeutig festzulegen.

Einwände innerhalb des Bundestages kommen unter anderem aus Kreisen der CSU, der FDP und der AfD. Auch FDP-Chef Christian Lindner sprach sich deutlich gegen die Einführung einer Widerspruchslösung aus. Der Christsoziale Abgeordnete Christian Pilsinger nannte den Entwurf "fachlich und ethisch umstritten". Zustimmung ernteten die Koalitionspolitiker Spahn und Lauterbach dagegen von den Grünen und der Linkspartei. Die Linken-Abgeordnete Petra Sitte lobte eine durch die Politik generalisierte Organspende als "solidarischen Akt". Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Cornelia Lüddemann, bejahte die Widerspruchslösung bereits im September.

Der Deutsche Ethikrat kommentierte bereits beim ersten Vorstoß Spahns im September 2018, dass diese Regelung  „menschlichen Körper zu einem Objekt staatlicher Sozialpflichtigkeit“ machen würde.  

 

Link: Stellungnachme des Deutschen Ethikrates zu Hirntod und Organspende-Entscheidung

 

Weiterführende Artikel:

 

 

 

Bewerten Sie uns 4,8 / 5

3771 Besucher haben in den letzten 12 Monaten eine Bewertung abgegeben.

Kategorien