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Nach FDP-Vorstoß zu Cannabis: Übernehmen Krankenkassen bald die Kosten?

18.05.2015 Cannabis LegalisierungAuf dem FDP-Parteitag in Berlin hat sich eine Mehrheit der Delegierten für eine Freigabe von Cannabis ausgesprochen – allerdings unter strengen und nicht verhandelbaren Auflagen. Damit ist die Debatte um eine gänzliche Freigabe aktueller denn je. Zuvor waren bereits Die Grünen und die Linkspartei für eine Legalisierung eingetreten.

Seit 20 Jahren wird darüber diskutiert, ob der Besitz von Cannabis für den Eigengebrauch nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden soll. In einigen Bundesländern wird dies schon bei dem Besitz von unter sechs Gramm praktiziert.

Eine Übernahme durch die Krankenkassen ist vorstellbar

Durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt es derzeit 358 ausgewählte Patienten, denen es in Deutschland bereits gestattet ist THC-Produkte auf Rezept zu erhalten. Zahlen müssen sie diese bisher selbst, da die Krankenkassen derartige medizinische Versorgungen nicht übernehmen. Dies könnte sich aber bald schon ändern. So weist Kirsten Müller-Vahl, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover, im Interview mit „Spiegel-Online“ darauf hin, dass Krankenkassen beispielsweise bei Patienten mit Tourettesyndrom Medikamente bezahlen, die in Deutschland nicht zugelassen sind. Dies sollte, so die Expertin, auch für Cannabis gelten.

Welche Voraussetzungen sind notwendig?

Insbesondere für schwerkranke Patienten wäre eine Übernahme durch die Kassen eine Erleichterung, da ein Gramm laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände derzeit 15 bis 18 Euro kostet. Für Schmerzpatienten ist dies bereits für das kommende Jahr vorgesehen. Die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), kündigte in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ an: "Mein Ziel ist, dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medizin bekommen können." Weiterhin gestand sie jedoch ein, dass es nicht ganz einfach sei abzugrenzen, wer Cannabis dringend als Medikament benötige. Für Nicht-Kranke solle der Eigenbedarf laut Mörtel sechs Gramm bundeseinheitlich nicht überschreiten.

Bundesregierung lehnt Vorstöße entschieden ab

Vor allem für die Union sind die derzeitigen Bestrebungen der FDP in Richtung allgemeine Legalisierung der falsche Ansatz. Auf dem Parteitag am letzten Wochenende hatten 62 Prozent der FDP- Mitglieder für eine zukünftige Freigabe von THC-Produkten als „Genussmittel“ gestimmt. Die große Koalition aus SPD und CDU zeigt sich kaum veranlasst ähnlich zu tendieren. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verwies in diesem Zusammenhang erneut darauf, dass Cannabis eine der häufigsten Einstiegsdrogen in Deutschland sei.

Durch schwerkranke Patienten wurde bereits eine Petition zur Legalisierung von medizinischem Cannabis auf den Weg gebracht. Daran beteiligen können Sie sich hier.

 

Bildquelle: Stefan Klövekorn  / pixelio.de