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Gesundheitspolitik

Massentests auf Corona – Krankenkassen müssen nun bezahlen

Obligatorischer Test nun bei jeder Krankenhausaufnahme. Auch Privatversicherte und Versicherungslose werden auf GKV-Kosten getestet
veröffentlicht am 15.06.2020 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Corona Tests finanzierenCorona Tests finanzieren
Die gesetzlichen Krankenkassen sind seit dem 9. Juni verpflichtet, alle angeordneten Tests auf das Corona-Virus auch ohne Krankheitssymptome zu übernehmen. Theoretisch können das bis zu mehr als 880.000 Tests pro Woche sein – so viel wie die Laborkapazitäten in Deutschland aktuell hergeben.    

2020-06-15T14:18:00+02:00
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Die Ausweitung der Corona-Tests wurde vom Bundesgesundheitsministerium am 9. Juni per Rechtsverordnung verkündet und mit sofortiger Wirksamkeit angeordnet. Bundesgesundheitsminister Spahn machte damit von seinem durch das erste Pandemiegesetz vom 27. März verliehene Recht Gebrauch, per Verordnung in Gesundheitsfragen ohne Mitsprache der Legislative regieren zu dürfen.    

Corona-Test bei jeder Klinikaufnahme 

Die Krankenkassen müssen nun Tests auf das Corona-Virus ohne akute Krankheitssymptome übernehmen. Das ist vor allem in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Kitas und Schulen der Fall. Ab sofort werden generell alle Patienten getestet, die stationär in eine Klinik aufgenommen werden. Bei Auftreten eines Corona-Falls in Schulen, Kitas oder Pflegeheimen können so genannte Reihentests in den Einrichtungen angeordnet werden. Zu dem können Ärzte und Gesundheitsämter Tests ohne das Vorliegen von Symptomen veranlassen, welche ebenfalls von den Kassen übernommen werden müssen. Auch über Wiederholungen von Tests können Ärzte entscheiden, die wiederum von den Kassen übernommen werden müssen.  

Kassen fordern Gegenfinanzierung

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen sagte eine schnelle und reibungslose Umsetzung der Verordnung zu.  "Die gezielte Ausweitung von Corona-Tests ist der richtige Ansatz, und wir begrüßen, dass dafür jetzt der Weg frei gemacht wird", so Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband gegenüber Journalisten. Gleichzeitig manhte der GKV-Spitzenverband eine volle Gegenfinanzierung durch den Bund an, um die Krankenkassen nicht zusätzlich zu belasten.

Bislang finanzierten die Krankenkassen die Tests nur bei Verdacht auf eine Infektion mit COVID 19 und entsprechenden Symptomen wie den typischen Geruchs- und Geschmacksstörungen in Begleitung von Husten, Halsschmerzen und Fieber.

Spahn: Am Ende billiger

Streit gab es im Vorfeld über die hohen Kosten für die Massentests. Unter anderem wurde der festgelegte pauschale Laborhonorarsatz von mehr als 50 Euro kritisiert. Weiterhin müssen die gesetzlichen Kassen diese Laborkosten auch für Privatversicherte und Menschen ohne Krankenversicherung übernehmen. Dafür aufkommen soll der Steuerzahler mit Zuschüssen für so eine so genannte „Versicherungsfremde Leistung“.    

Spahn reagierte auf die Diskussionen zur Finanzierung mit seiner Ansicht, es sei am Ende mit Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen teurer „zu wenig zu testen, als zu viel zu testen“.  

 

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