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Künstlersozialkasse: Frontalangriff von Seiten der Wirtschaft

30.08.2016

Die Künstlersozialkasse ist von Wirtschafstvertretern in Frage gestellt worden

Die soziale Absicherung von freiberuflich arbeitenden Künstlern und Publizisten über die Künstlersozialkasse ist von hochrangigen Vertretern der Arbeitgeber aggressiv in Frage gestellt worden. In einem Interview mit der „FAZ“ beklagten mehrere Verbandschefs die angeblich unverhältnismäßig hohen bürokratischen Kosten für die Unternehmen.

Forderung nach Abschaffung der Künstlersozialkasse

So nannte der scheidende Vorsitzende der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) und von Hessenmetall, Volker Fasbender, die Summe von 250 Millionen Euro jährlicher Verwaltungskosten als unzumutbar für die Wirtschaft. Im gleichen Atemzug forderte der langjährig hochdotierte Industriemanager auch gleich die Abschaffung der Künstlersozialkasse.

Bei näherem Hinschauen entpuppt sich das Klagelied als schamlose Rotstift-Forderung neoliberaler Couleur. Denn die freiberuflich arbeitenden Designer, Fotografen, Videoprofis, Werbetexter und PR-Experten sorgen mit ihren Dienstleistungen für Absatz und Image und damit auch für die nachhaltige Sicherung von unternehmerischem Gewinn. Dass die Unternehmen enorme Vorteile daraus ziehen, dass sie außer der pauschalen KSK-Abgabe keinerlei Sozialabgaben für diese Tätigkeiten leisten, verschweigen die Arbeitgebervertreter wohlweislich.

KSK ist kein Luxus 

Die steigende Abgabenlast für die Beiträge zur Künstlersozialkasse hängt auch mit der steigenden Zahl von freien Dienstleistern zusammen, die sich über die Künstlersozialkasse versichern. Derzeit seien 180.000 Mitglieder verzeichnet, während es vor zwei Dekaden noch 80.000 waren. Genau in dieser Zeit ist das große Herr der Freelancer gewachsen, die eben nicht mehr innerhalb von Unternehmen sozialversicherungspflichtig arbeiten, sondern sich als freie Dienstleister bewegen. Dies ist ihnen im Kreativbereich oftmals nur möglich, weil sie sich kostengünstig kranken- und rentenversichern können.  

Die Forderung nach Minimierung des Verwaltungsaufwandes für die KSK-Beiträge ist dennoch berechtigt. Dies ließe sich aber durch sinnvolle Strukturreformen realisieren – zum Vorteile aller Beteiligten. Die komplette Abschaffung einer tragenden Säule im Sozialsystem hingegen ist ein Rückschritt in Richtung 19. Jahrhundert und kann nicht wirklich im Interesse der Auftraggeber sein.

 

Quelle: Hallesche-Störung.de

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