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Krankenkassen: Warum die Zusatzbeiträge steigen

27.08.2015

Steigende Zusatzbeiträge wahrscheinlichViele gesetzliche Krankenkassen werden voraussichtlich zum Jahresende ihre Zusatzbeiträge erhöhen. Trotz steigender Ausgaben verfügt die gesetzliche Krankenversicherung weiter über Rücklagen von 25,3 Milliarden Euro, wovon 15,5 Milliarden Euro bei den Kassen selbst liegen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe sprach Ende Juni 2015 noch von einer "soliden Grundlage". Warum also eine Anhebung?

Steigende Ausgaben und Reformen verursachen weitere Kosten

Die gesetzlichen Kassen melden derzeit rote Zahlen. Damit werden höhere Zusatzbeiträge wahrscheinlich. Wenn die Zusatzkosten allein von den Arbeitnehmern getragen werden müssten, dann sei das ungerecht, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Mittwochmorgen im ARD-Morgenmagazin. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten wieder zu gleichen Teilen zu den Krankenkassen beitragen, so Lauterbach in der Fernsehsendung als Reaktion auf die derzeitige Entwicklung.

Die Krankenkassen warnen seit langem: Durch steigende Ausgaben und den zahlreichen Reformen der Regierung – wie Prävention, Palliativmedizin und Klinikfinanzierung - entstünden immer weitere Kosten, so dass die Versicherten in den nächsten Jahren mit deutlich steigenden Zusatzbeiträgen rechnen müssten. Zuletzt verkündeten die SECURVITA Krankenkasse und die IKK Nord eine Anhebung des Krankenkassenbeitrages.

Ein Defizit von fast 500 Millionen Euro

Das Jahr 2014 hatte die GKV mit einem Defizit von 1,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Einer Meldung des „Handelsblatts“ zufolge, verzeichneten die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2015 wiederum ein Defizit von fast einer halben Milliarde Euro.

"Wir müssen uns zum Jahreswechsel leider auf steigende Zusatzbeiträge einstellen, denn für die Mehrausgaben für Kliniken, Ärzte und Medikamente reicht der gesetzliche Einheitsbeitragssatz nicht", so Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes gegenüber der Tageszeitung „Der Westen“. Jens Baas, Chef der Techniker-Krankenkasse (TK), sagte: "Die Gesundheitsversorgung wird auf breiter Front teurer." Im ersten Halbjahr 2015 habe die TK ein Minus von rund 55 Millionen Euro erwirtschaftet. Unklar ist allerdings, wie viele Kassen ihre Beiträge erhöhen wollen, so die Tageszeitung weiter.

Zusatzbelastungen können Arbeitnehmer nicht alleine tragen

Zwar verfügen die Krankenkassen über Reserven - worauf sich der Gesundheitsminister vor zwei Monaten bezog - doch sind diese sehr ungleich verteilt. Es gibt demnach Krankenkassen, die ihre Beiträge gar nicht oder nur wenig anheben müssten, andere hingegen werden deutlich reagieren. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) rechnet ab 2016 mit einem Beitragsplus von bis zu 0,3 Prozentpunkten. Bei einem Brutto-Einkommen von 3000 Euro sind das rund neun Euro mehr im Monat. In den kommenden Jahren werde dieser Trend anhalten, heißt es beim Spitzenverband GKV weiter.

Die Steigerungen treffen vor allem die Versicherten. Denn nur bis zur Grenze von 14,6 Prozent teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beitragssätze. Alles über diesem Wert muss der Arbeitnehmer zahlen - im Schnitt sind das derzeit 0,9 Prozentpunkte.


Übersicht über die aktuellen Beitragssätze aller gesetzlichen Krankenkassen.

Der Gesundheitsexperte und SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach forderte im Morgenmagazin der ARD, dass künftige Steigerungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen getragen werden sollten: "Diese Forderung muss man zu einem Zeitpunkt stellen, wo der Beitragssatzanstieg zu erwarten ist, aber noch nicht da ist. Es ist einfach klar, dass die Belastung, die jetzt kommt, von den Arbeitnehmern alleine nicht getragen werden kann. Das ist unverhältnismäßig."


Foto: Thomas Siepmann / pixelio.de