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Krankenkassen streiten um Geld: Ist die Verteilung der Mittel "falsch justiert"?

03.05.2016

Gesetzliche Krankenkassen (GKV) unterscheiden sich nicht nur in ihren Leistungen, Beiträgen und Bonusmodellen, sondern auch in ihren Mitgliedern und damit in ihrer Risikostruktur. So gibt es einige Krankenkassen mit überdurchschnittlich jungen und gesunden Mitgliedern und andere mit mehr kranken und älteren Versicherten. Dies zwingt Kassen dazu, einen unterschiedlichen Zusatzbeitrag zu erheben, um ihre Ausgaben zu decken. Für Versicherte betroffener Kassen kann es somit noch teurer werden.

Leistungsausgaben der einzelnen Krankenkassen ausgleichen

Bis 2009 fand der Ausgleich zwischen den Kassen untereinander statt. Die Beiträge der Versicherten flossen direkt an die jeweilige Krankenkasse. Seit Einführung des Gesundheitsfonds werden die Beiträge zentral gesammelt und anschließend je nach Risikostruktur an die Kassen verteilt. Dieser Finanzausgleich berücksichtigt Alter, Geschlecht und die Krankheiten der Versicherten. Als Instrument dafür wurde mit Jahresbeginn 2009 ein morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) eingeführt. Der Morbi-RSA orientiert sich an 80 schwerwiegenden kostenintensiven und chronischen Erkrankungen, bei denen die durchschnittlichen Leistungsausgaben je Versicherten die üblichen Ausgaben um mindestens 50 Prozent übersteigen.

"Weil das Ausgleichssystem falsch justiert ist, belastet dieser Kostendruck gegenwärtig die einzelnen Krankenkassen höchst unterschiedlich", erklärt Ulrich Hannemann, Vorsitzender des Verwaltungsrates der IKK classic. "Nicht wenige Kassen schreiben wegen unzureichender Zuweisungen aus dem Risikostrukturausgleich dramatisch rote Zahlen. Gleichzeitig sammeln andere durch Zuweisungen, die über dem Bedarf liegen, beträchtliche Vermögen an. Mit fairem Wettbewerb oder gutem Versorgungsmanagement hat das nichts zu tun," so Hannemann weiter.

Der BKK Dachverband warnt vor Teuerung für GKV-Mitglieder

Die ausgabendeckenden Zusatzbeitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen würden nach Schätzungen des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) zufolge in 2017 eine Spanne zwischen 0 Prozent bis 2,6 Prozent erreichen, wenn der Zuweisungsmechanismus der Beitragseinnahmen nicht kurzfristig korrigiert würde. In 2016 liegt diese Spanne noch bei 1,9 Prozent, in 2015 waren es nur 1,6 Prozent. Für ein Mitglied der gesetzlichen Krankenkassen würde dies einen Beitragsunterschied von bis zu 110 Euro im Monat bedeuten.

Der ausgabendeckende Zusatzbeitragssatz stellt den Beitragssatz einer Kasse dar, den sie nehmen müsste, um ihre Kosten vollständig zu decken. Somit ist dieser rein kalkulatorische Zusatzbeitragssatz nicht in jedem Fall identisch mit dem tatsächlich erhobenen Zusatzbeitrag. Der Zusatzbeitrag wird von den Versicherten allein getragen, während sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den allgemeinen Beitragssatz je zur Hälfte teilen. Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen den Zusatzbeitragssätzen sei dem BKK Dachverband und der IKK classic zufolge das Symptom einer unausgeglichenen Wettbewerbslage unter den Kassen.

 

Schema der Einnahmen und Mittelverteilung aus dem Gesundheitsfonds per Morbi-RSA