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Kostendruck auf Krankenkassen gefährdet Versorgungsqualität

20.07.2015

Immer mehr Krankenkassen sehen sich einem hohen Kostendruck ausgesetzt. Steigt dieser, entstehen zwangsläufig Schwierigkeiten zwischen den Versicherten und ihrer Krankenkasse. Nicht wenige fühlen sich dann von ihrer Kasse ungenügend unterstützt. „Mich haben besonders in jüngster Zeit viele Beschwerden erreicht, beispielsweise über qualitativ minderwertige Inkontinenzartikel“, berichtete der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), im Gespräch mit der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“. „Gerade in einem so sensiblen Bereich, der oftmals mit Schamgefühlen verbunden ist, darf es keine Versorgungsprobleme geben“, sagte Laumann.

Preise werden durch Marktführer gedrückt

Insbesondere die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und einige Ersatzkassen – unter anderem die DAK-Gesundheit – greifen auch bei Hilfsmitteln zu dem gesetzlich möglichen Mittel der Ausschreibung. Dabei nehmen die großen Kassen mit ihrer Stärke auf dem Markt Einfluss auf die Preise – drücken diese nach unten. Die Versorgung der Versicherten übernimmt dann im Zweifel nicht mehr ein wohnortnahes Sanitätshaus, sondern nur noch der Anbieter, der das billigste Angebot unterbreitet hat. Wenn Patienten auch in diesem Fall gut versorgt bleiben, ist gegen ein solches Vorgehen grundsätzlich nichts einzuwenden. Laut Laumanns Ausführungen gegenüber der "Frankfurter Rundschau", ist dies offensichtlich häufig nicht gewährleistet.

Eine Familie mit einem schwerbehinderten Sohn berichtigte dem Patientenbeauftragte, dass die Windeln des von ihrer Krankenkasse neu bestimmten Anbieters extrem schlecht säßen und auch nicht so lange hielten, wie die zuvor verwendeten. Ein ähnlich gutes Produkt gäbe es zwar weiterhin, aber nur gegen eine zusätzliche Eigenbeteiligung der Familie von 65 Euro im Monat. Diese Mehrausgaben konnte sich die Familie jedoch nicht leisten. Zumindest in diesem Fall erklärte sich die Kasse später bereit, ohne zusätzliche Kosten bessere Windeln liefern zu lassen.

Gesundheitsministerium sieht zurzeit keinen Handlungsbedarf

Das Bundesgesundheitsministerium verweist in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Partie Bündnis 90/Die Grünen darauf, dass die Ausgaben der Kassen für Hilfsmittel allein von 2012 bis 2014 um eine Milliarde Euro auf knapp 7,5 Milliarden Euro gestiegen sind. Außerdem würden lediglich fünf bis zehn Prozent der gesamten Hilfsmittelausgaben durch Ausschreibungen vergeben. Ob die Regierung gesetzgeberisch tätig werden müsse, werde man prüfen, so das Ministerium.

Der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann sieht daher vor allem die Krankenkassen in der Pflicht: „Die Kassen müssen die Verträge mit den Leistungserbringern so gestalten, dass eine qualitativ angemessene und wohnortnahe Versorgung mit Hilfsmitteln sichergestellt ist.“ Dazu seien die Kassen schließlich gesetzlich verpflichtet. Die Patienten müssten in jedem Fall ohne Mehrkosten Produkte in angemessener Qualität bekommen können, so die Tageszeitung weiter..

Auch die Gesundheitsexpertin der Partei Die Grünen, Maria Klein-Schmeink, schließt sich den Forderungen Laumanns an, sieht jedoch vor allem das Gesundheitsministerium in der Pflicht. „Wir erwarten von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei der Hilfsmittelversorgung, statt nur zu prüfen und zu beobachten“, sagte sie der Zeitung. Zudem regte sie an, für besonders sensible Hilfsmittel Ausschreibungsverfahren künftig auszuschließen. Notwendig seien schnelle Veränderungen, da die Zustände für die Betroffenen nicht länger akzeptabel seien, forderte Schmeink weiter.

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