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Familie

Kinder von ihren Eltern bei Coronaverdacht durch Behörden isolieren?

„Gregor-Samsa-Anordnung“ der Gesundheitsämter scharf kritisiert
veröffentlicht am 07.08.2020 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Familie und CoronaFamilie und Corona(c) Mohammed Hassen / pixabay / CC0
Eltern von Corona-positiv getesteten Kindern sollen nach dem Willen mehrerer Gesundheitsämter für die gesamte Quarantänezeit den Kontakt zu ihren Kindern einstellen und diese vollständig isolieren. Für den Fall der Widersetzung drohen die Ämter mit einer zeitweisen amtlich durchgeführten Trennung und außerhäuslichen Verbringung der Kinder.    

2020-08-07T14:58:00+02:00
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Das geht aus bekannt gewordenen Schreiben hervor, die im Juli 2020 von mehreren Gesundheitsämtern versandt wurden. "Ihr Kind sollte sich möglichst allein in einem Raum getrennt von anderen Haushaltsmitgliedern aufhalten.", heißt es laut 'Westfälischer Zeitung' in einem der Schreiben aus dem Gesundheitsamt Offenbach.

"Unverhältnismäßig und nicht hinnehmbar"

Der Deutsche Kinderschutzbund äußerte sich in einer Pressemitteilung kritisch über die bekannt gewordenen Anordnungen und Androhungen und nannte die Maßnahmen „unverhältnismäßig und nicht hinnehmbar“.  Eltern würden dadurch verunsichert und die „Situation der Quarantäne“ sei „für Familien, insbesondere für Kinder ohnehin sehr belastend", so der DKSB. Unmissverständlich deutlich heißt es an gleicher Stelle: "Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt."

Eltern in Angst vor den Nachbarn

Eltern müssen nun in der Angst leben, von Nachbarn angezeigt zu werden, wenn sie sich nicht an diese Auflagen halten und somit von ihren Kindern getrennt zu werden. Eine Initiatorin des Elternverbandes "Familien in der Krise", Diane Siegloch, berichtete dem Evangelischen Pressedienst, dass einige Eltern ihre Kinder dauerhaft mit Masken ausstatten oder mit zugezogenen Vorhängen lebten. Die entsprechende Anordnung der Gesundheitsämter bezeichnete Siegloch mit "seelische Grausamkeit" und "Kindeswohlgefährdung".

Behörden wollen Lebensumstände bei Zwangsmaßnahme berücksichtigen

Der betroffene Kreis Offenbach ruderte in einer Stellungnahme zurück und berief sich auf angebliche 'Missverständnisse'. Die genannten Zwangsmittel müssten in jedem Fall zuerst angedroht werden, bevor sie in der Rechtsfolge dann eingesetzt werden könnten. Die angedrohte Zwangsisolierung von Kindern würde sich aus dem Infektionsschutzgesetz ergeben. Allerdings seien die Gesetzesvorgaben "mit der Lebenswirklichkeit der Betroffenen in Einklang zu bringen". Das beinhalte die Berücksichtigung des Lebensalters und der Entwicklung. Es gehe um „Alternativen im täglichen Umgang miteinander zu finden", heißt es beschwichtigend in einer Stellungnahme.

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