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Kinder unzufriedener Eltern bekommen seltener Geschwister

13.08.2015

Eltern mit bis zu zwei Kindern langfristig glücklicherWie das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock in einer Studie heraus fand, ist es für Eltern unwahrscheinlicher ein zweites Kind zu bekommen, je unzufriedener sie mit ihrem Leben unmittelbar nach der Geburt des ersten Kindes werden.

Unzufriedenheit nach Geburt höher als bei Arbeitslosigkeit

Der Beleg durch die Studie, die in der Wissenschaftszeitschrift „Demography“ veröffentlicht wurde, befasst sich dem Institut zur Folge mit einem Tabu-Thema: Dass Eltern durch die Geburt ihres ersten Kindes zunächst unglücklicher seien, wird öffentlich selten thematisiert. Dabei zeige sich, dass es Fälle gibt, in denen die Unzufriedenheit im Jahr nach der ersten Geburt sogar stärker ausfalle als etwa bei Arbeitslosigkeit, Scheidung oder dem Tod des Partners, berichtet Mikko Myrskylä, Demograf und Direktor des MPIDR, zusammen mit Rachel Margolis vom Institut für Soziologie an der University of Western Ontario. „Die Erfahrung der Eltern während und nach der ersten Geburt bestimmen mit, wie groß die Familie am Ende wird“, sagt Mikko Myrskylä. „Politiker, die sich Sorgen um niedrige Geburtenraten machen, sollten darauf achten, dass es den jungen Eltern schon beim ersten Kind gut geht – und zwar rund um die Geburt und danach.“


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Nur knapp ein Drittel beschreibt gar keinen Verlust an Zufriedenheit

Für die Untersuchung, wie das erste Kind das Lebensgefühl der Eltern beeinträchtigt, nutzen die Forscher deren Selbsteinschätzung aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Die 20.000 Teilnehmer der Erhebung bewerteten jedes Jahr ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn - je höher die Bewertung, desto zufriedener waren die Eltern.
Im Durchschnitt gaben Mütter und Väter an, im ersten Jahr ihrer Elternschaft um 1,4 Einheiten weniger glücklicher zu sein als während der zwei Jahre davor. Nur knapp 30 Prozent der Studienteilnehmer beschrieben gar keinen Verlust an Zufriedenheit. Über ein Drittel empfindet sogar ein Minus von zwei oder mehr Glückseinheiten. Im Vergleich: Bei Arbeitslosigkeit oder den Tod des Partners geht die Zufriedenheit gemäß internationalen Studien im Mittel nur um etwa eine Einheit auf derselben Glücksskala zurück.
Die Ergebnisse von Myrskylä und Margolis zeigen, wie sehr die Erfahrungen mit dem ersten Kind die Chancen auf ein zweites beeinflussen: Unter hundert Eltern, die ein Minus von drei oder mehr Glückseinheiten beschrieben, bekamen nur 58 innerhalb eines Jahrzehnts ein zweites Kind. Empfanden die Eltern nach Geburt des ersten Kindes dagegen keine Beeinträchtigung, gab es bei 66 Prozent Geschwister. Die Einflüsse von Einkommen, Ehestatus oder Geburtsort wurden aus diesen Ergebnissen bereits herausgerechnet.

Bis zu zwei Kinder wirken sich langfristig positiv auf das Lebensglück aus

Nicht untersucht wird in der Studien, was konkret die Zufriedenheit der meisten Eltern sinken lässt. „Generell beklagen junge Eltern zunächst häufig Schlafmangel, Schwierigkeiten in der Partnerschaft und den Verlust von Freiheit und Kontrolle über ihr Leben“, sagt Mikko Myrskylä.
Die unmittelbaren Glückseinbußen im ersten Elternjahr müssten allerdings relativiert werden. „Trotz der Unzufriedenheit nach dem ersten Kind wirken sich bis zu zwei Kinder insgesamt und langfristig eher positiv auf das Lebensglück aus“, sagt Myrskylä.


Foto: JMG / pixelio.de