Werbung

Kassenpatienten zahlen bei Zahnbehandlungen deutlich drauf

29.07.2015 Teure Zahnbehandlungen für KassenpatientenSeit den Reformen der rot-grünen Regierung 2005 kann die zahnärztliche Behandlung für viele gesetzlich Versicherte zum finanziellen Drahtseilakt werden. Die damalige Gesundheitsministerien Ulla Schmidt strich die Leistungen der Krankenkassen zusammen und übertrug die Kosten auf die Patienten. Beim Zahnarzt wurde besonders stark gespart. Die Krankenkassen zahlen ihren Versicherten nur noch einen befundorientierten Festzuschuss, welcher für das jeweilige Zahn-Problem berechnet ist.

So erhalten alle Versicherten bei gleichem Befund den gleichen Betrag. Das sind beispielsweise für eine Brücke oder einem fehlenden Zahn 273 bis 355 Euro. 387 bis 503 Euro erhalten Versicherte für eine Brücke bei vier fehlenden Frontzähnen nebeneinander. Den Rest bezahlt der Patient selbst, so die Stiftung Warentest. Wählt der Patient eine bessere Behandlung, wird es noch einmal teurer: Bei einer Keramik- statt einer - durch den Festzuschuss vorgesehenen - Metallkrone sind das bei etwa 650 Euro Gesamtkosten schnell über 500 Euro Zuzahlung.

Das „Fokus Magazin“, sowie „ZDFzoom“ stellten unabhängig voneinander Nachforschungen zur Abrechnung unnötiger zahnärztlicher Leistungen an. Der „Fokus“ kam dabei zu dem Schluss, dass sich Zahnärzte oft als clevere Verkäufer überflüssiger Leistungen erweisen.

Die Unwissenheit wird ausgenutzt

Patienten können nicht wissen, welche Preise angemessen sind und welche Behandlung sie wirklich benötigen. Viele haben zudem ein blindes Vertrauensverhältnis zu ihrem Zahnarzt aufgebaut. Nach Informationen von „ZDFzoom“-Autor Hannes Vogel, greifen manche Zahnärzte ungeniert zu oder raten Patienten zu teuren, unnötigen Behandlungen. Zudem verdeutlicht die Reportage, dass Krankenkassen und Zahnärzte kein Interesse an einer Änderung des Systems haben. Denn sie sparen, indem sie die Kosten auf die Versicherten verschieben: Mindestens 3,2 Milliarden Euro zahlen Patienten jedes Jahr allein beim Zahnersatz privat, das haben Berechnungen von „ZDFzoom“ ergeben.

Was Beschwerden über die Qualität oder Berechnung von Zahnarztleistungen angeht, haben wir in diesem Bereich die meisten Patienten-Anfragen“, sagt Zahn-Experte Christoph Bornes von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).Nicht selten beschweren sich die Patienten, weil Zahnärzte bei ihrer Kostenprognose beispielsweise nur die Implantate veranschlagt haben, nicht aber die Kosten der zusätzlich nötigen Folgearbeiten“, so Bornes weiter.

Zweitmeinung einholen

Der GKV-Spitzenverband, die Interessenvertretung der gesetzlichen Krankenkassen, erklärte gegenüber dem Magazin „Fokus“, man sei dafür nicht zuständig: „Wir haben ja 123 Krankenkassen zurzeit in Deutschland, ich weiß nicht, wie die einzelne Krankenkasse den Versicherten anschreibt. Da müssten sie tatsächlich die einzelne Krankenkasse fragen“, sagt Pressesprecher Florian Lanz.

Wer wissen will, ob eine teure Versorgung mit Zahnersatz bei gleicher Qualität auch günstiger geht, vergleicht Preise und Leistung schon vor Behandlungsbeginn. Der Patient hat immer das Recht, eine zweite Meinung durch einen anderen Arzt einzuholen. Vergleichsangebote bieten auch Internetportale. Gleichzeitig sei dabei zu vorsichtig geraten, möchte man das Vertrauen des eigenen Zahnarztes nicht aufs Spiel setzen.


Mehr zum Thema: ZDFzoom-Reportage: "Abkassiert beim Zahnarzt", Mittwoch / 29.07.2015 / 22:45 Uhr auf ZDF


 Foto: Harry Hautumm / pixelio.de