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Immer mehr Kassenpatienten zahlen für IGeL-Leistungen

18.05.2015 ZusatzleistungenNiedergelassene Ärzte bieten gesetzlich versicherten Patienten immer häufiger sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) gegen Bezahlung an. Ein medizinischer Nutzen ist oft fraglich. Für den Arzt sind die Behandlungen lukrativ, für die Patienten meist teuer.

Im vergangenen Jahr erhielten 20 Millionen gesetzlich Versicherte, also etwa jeder dritte Kassenpatient, Angebote für solche kostenpflichtigen privaten Zusatzleistungen. Am 18. Mai wurde eine Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) veröffentlicht. Diese zeigt, dass der Anteil von IGeL-Leistungen seit 2012 von 29,9 Prozent auf 33,3 Prozent stieg. In 2012 seien 1,3 Milliarden Euro von gesetzlich Versicherten in den Arztpraxen zusätzlich ausgegeben worden, schätzt das WIdO. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor waren es knapp neun Prozent Igel-Angebote.

Abzocke mit IGeL - Wie können sich gesetzlich Versicherte davor schützen?

Ein Markt der für viele Patienten schnell unübersichtlich wird. Doch wer will schon an der Gesundheit sparen. Um für Transparenz zu sorgen, hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) einen sogenannten IGel-Monitor geschaffen. Die häufigsten Selbstzahlerleistungen werden dort auf einer Internetseite bewertet. Der MDK warnte zudem davor, dass die meisten dieser Leistungen keinen nachweisbaren Nutzen haben oder sogar im Extremfall sogar schaden können.

Besondere Vorsicht bei Frauenärzten geboten

Gynäkologen bieten laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse besonders gern Zusatzleistungen an. Das gibt auch Aufschluss darüber, warum mit 58 Prozent besonders oft Frauen diese teuren Zusatzleistungen angeboten bekommen. Bei Zahnärzten und Augenärzten seien die Selbstzahlerleistungen ebenfalls sehr beliebt. Erschreckend ist, dass sich laut Bericht nur etwa 44,5 Prozent der Ärzte vor der Behandlung das Einverständnis des Patienten einholen und zudem jeder zehnte Arzt dabei nicht einmal eine Rechnung ausstellte.

Der Medizinische Dienst rät dazu, sich nicht schlichtweg auf die Beratung zu verlassen, sondern sich über den IGeL-Monitor oder durch die zahlreichen Angebote von Verbraucherzentralen zu informieren. Zudem sollten Patienten bei Inanspruchnahme der Zusatzleistungen auf jeden Fall auf einen schriftlichen Vertrag bestehen.

Die AOK bietet auf der Internetpräsenz umfangreiche Informationen zum Thema.

 Bildquelle: Gina Sanders

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