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Hitze – die ganzkörperliche Mehrbelastung

06.07.2015

Hitze = körperliche Mehrbelastung40,3 Grad Celsius. Diese Temperatur wurde am Sonntag im bayrischen Kitzingen gemessen. Seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 ist es der höchste jemals gemessene Wert in Deutschland – Rekord. Doch nicht nur in Mainfranken stieg das Quecksilber in den Thermometern schier unaufhaltsam an. Überall in Deutschland herrschte enorme Hitze, die nicht nur Auswirkungen auf den menschlichen Körper, sondern auch auf die Psyche hat. Wir werden schneller müde, die Konzentration lässt früher nach. Wir sind zudem unkritischer und aggressiver.

"Wer mögliche Risiken richtig einschätzt, kann mit ein paar Verhaltensänderungen Gesundheitsproblemen vorbeugen", sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK. Um körperliche Folgen entgegenzutreten, rät Marschall zu einigen einfachen Maßnahmen:

  • Reichlich alkoholfreie und ungesüßte Getränke zu sich nehmen
  • Den Tagesablauf der Hitze anpassen. Körperliche Anstrengungen nach Möglichkeit auf die Morgen- und Abendstunden legen
  • Draußen möglichst im Schatten bleiben (auch dann wird man braun, zwar etwas langsamer, dafür aber gleichmäßiger und mit deutlich weniger Gefahr eines Sonnenbrandes)
  • Leichte, nicht einengende Kleidung wählen
  • Auf einen ausreichenden, dem Hauttyp entsprechenden Sonnenschutz achten
  • Sonnenhut und Sonnenbrille tragen
  • Keine Personen in einem geparkten Auto zurücklassen, auch nicht für kurze Zeit
  • Wohnräume nachts und morgens lüften, tagsüber verdunkeln
  • Nach dem Duschen nicht vollständig abtrocknen. Bringt zusätzliches Frischegefühl

Neben körperlicher auch geistige Belastung

Ein paar Grad mehr – noch vor einigen Wochen hätte man sich das gewünscht, als schon nach wenigen Minuten die Jacke im Park über gezogen werden musste. Trotz Meckern allerorts wurde die Situation gemeistert, die viel zu kalten Temperaturen für diese Jahreszeit weggesteckt und durchgestanden. Und jetzt: ist es warm, gleich wieder zu warm. Doch auch das wird man überstehen. Allerdings gesellt sich zur spürbaren körperlichen Mehrbelastung, eine unscheinbare psychische hinzu.

Nicht nur die Reichstagskuppel wurde wegen der anhaltenden hohen Temperaturen gesperrt, auch die menschliche Zerebrum kann bei diesen Temperaturen für den Durchgangsverkehr schließen.

Untersuchungen zeigen: mit höheren Temperaturen steigt das Unfallrisiko auf den Straßen. 12.000 Unfälle seit dem Jahr 2005 hat die ADAC-Unfallforschung in einer Studie untersucht, jeder siebte schwere Unfall ereignet sich demnach an Tagen mit Temperaturen von mehr als 25 Grad Celsius.
Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat sich im Jahr 2012, damit befasst; wie sich hohe Temperaturen auf die Psyche auswirken. Das Ergebnis zeigt, noch in den ersten vier Stunden nahm die Arbeitsqualität nicht ab. Doch die Anstrengung war, vor allem durch Mangel an Motivation ungleich höher. Man könne zwar die psychische Mehrbelastung kompensieren, aber nicht lange. 

Große Hitze beeinflusst Konflikte

Andere Forschungen zeigen, dass Hitze feindseliger und impulsiver macht. Die Iowa State University erforscht seit Jahren in dieser "heat hypothesis" die Kriminalitätsraten südlicherer, also im Schnitt heißerer US-Bundesstaaten und vergleicht diese mit nördlicheren Bundesstaaten. Der leitende Psychologe Craig Anderson stellte dabei fest, ab Temperaturen ab 32 Grad Celsius, gäbe es mehr Fälle von häuslicher Gewalt sowie Beleidigung und Körperverletzung. Nachfolgende Laborstudien erhoben, wie sich Einstellungen und Wahrnehmungen durch hohe Temperaturen verändern. Sie bestätigten, dass Hitze anfälliger für negative Gedanken macht und damit launenhafter und potenziell feindseliger. Polizisten etwa, schießen in einer zweideutigen Situation bei hohen Temperaturen eher als bei niedrigeren Temperaturen.

Foto: Gabi Eder / pixelio.de