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Gesundheit: Immer mehr Frauen lassen sich auf Brustkrebs testen

25.08.2015

Aktion gegen Brustkrebs - selbstgestrickte BrüsteImmer mehr Frauen in Deutschland lassen sich wegen des Verdachts auf erblich bedingten Brust- und Eierstockkrebs genetisch untersuchen. Die Zahlen haben sich binnen eines Jahres fast verdoppelt, wie der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Berlin mitteilte. An 13 der bislang bundesweit 15 Beratungszentren seien die Fälle von 2013 bis 2014 von rund 1700 auf etwa 3100 gestiegen. Dafür mitverantwortlich sind nach Ansicht der Kassen prominente Fälle wie der des Hollywoodstars Angelina Jolie. Experten warnen jedoch vor kommerziellen Gentests. 

Versorgung und Vorsorge verbessern

Das Informationsbedürfnis der Frauen nach qualifizierter Diagnostik, Beratung, Therapie und Nachsorge ist groß, die Risiken der Gentestung hinsichtlich Durchführung und Interpretation aber nicht zu unterschätzen. Die Ärzte müssen gut qualifiziert sein, denn falsche Testergebnisse führen zu falscher Beratung und Therapie.

Prof. Dr. Rita Schmutzler, Direktorin des Zentrums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitätsklinikum Köln, forderte von der Ärzteschaft einen verantwortungsvollen und patientenorientierten Umgang mit diagnostischen, genetischen Verfahren. „Kommerzielle Gentests müssen kritisch hinterfragt werden, denn sie bergen die Gefahr der unkritischen Anwendung und Interpretation ohne erkennbaren klinischen Nutzen und sogar zum Schaden der Betroffenen. Wir sind den behandelnden Ärzten daher eine bessere Wissensvermittlung neuester Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Gendiagnostik schuldig, die in der Folge eine engere interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht, um die Versorgung der betroffenen Frauen zu verbessern.“

Keine absolute Reduzierung des Risikos

Weder ein Test noch eine Amputation kann die Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken hundertprozentig senken. Denn in den wenigsten Fällen tragen die Gene Schuld daran. Außerdem bekommt nicht jede Frau mit einem defekten Gen automatisch Krebs. Ist die Familienplanung abgeschlossen, wird allerdings zur Entfernung der Eierstöcke geraten. Denn durch die Entfernung der Eierstöcke sinkt der Hormonspiegel und damit sinkt auch das Risiko für Brustkrebs um die Hälfte.


Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) ist Interessenvertretung und Dienstleistungsunternehmen aller sechs Ersatzkassen, die zusammen mehr als 26 Millionen Menschen in Deutschland versichern:
  • Techniker Krankenkasse (TK)
  • BARMER GEK
  • DAK-Gesundheit
  • KaufmännischeKrankenkasse(KKH)
  • Hanseatische Krankenkasse (HEK)
  • Handelskrankenkasse (HKK)

Hintergrund

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen und 700 Männer an Brustkrebs. Die Zahl der an Eierstockkrebs neu erkrankten Frauen liegt bei 8.000 pro Jahr. Bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen ist ein angeborener Erbgutdefekt – zum Beispiel durch Mutation der Gene BRCA1/2 – die Ursache für den Ausbruch der Krankheit. Mittlerweile wird vermutet, dass etwa bis zu einem Viertel der Brust- und Eierstockkrebserkrankungen auf genetische Faktoren zurückzuführen ist. Dank neuer Testverfahren kann das Risiko für eine genetisch bedingte Erkrankung heute frühzeitig erkannt werden. Durch die Neuzulassung des Medikaments LynparzaR zur Behandlung von Rezidiven beim Eierstockkrebs kommt auch hier den gendiagnostischen Verfahren eine besondere Bedeutung zu.


Mehr Informationen zur Krebsvorsorge der Krankenkassen über den gesetzlichen Rahmen hinaus erhalten Sie HIER. Eine Übersicht der Zentren des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs gibt es im Internet unter: www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de

 Foto: angieconscious / pixelio.de / Mehr zur Aktion der selbstgestrickten Brüste