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Geburtshilfe: Hebammen und Krankenkassen wieder im Streit

10.06.2015

 Der Konflikt der freiberuflichen Hebammen mit den gesetzlichen Krankenkassen hat sich angesichts der aktuellen Verhandlungsrunden zwischen den zuständigen Verbänden und wieder verschärft. So protestierte der Bund freiberuflicher Hebammen (BfHD) e.V. gegen Vorwürfe des GKV-Spitzenverbandes, wonach die Hebammen großzügige Angebote vorschnell abgelehnt hätten.
Die Vorwürfe des Spitzenverbandes seien „unredlich“ und stellten „eine bewusste Täuschung und Beeinflussung der Öffentlichkeit dar. “, so der verband in einer eigenen Pressemitteilung.

Kritik an Einflussnahme der Kassen

Im Gegenzug warf der BfHD den Krankenkassen Verhinderungstaktiken für eine gütliche Einigung vor, um die vom Gesetzgeber geforderte Zahlung des Zuschlages an die Hebammen zu umgehen.
Außer dem monierten die freien Hebammen des BfHD eine zunehmende fachliche Einflussnahme der Krankenkassen auf den Bereich der Geburtshilfe mit Hilfe ihrer Finanzhoheit. Als Beispiel führten die Hebammen in ihrem Protestschreiben eine Forderung des GKV-Spitzenverbandes an, dass alle Frauen mit dem Wunsch einer Hausgeburt, bei denen der errechnete Termin nur einen Tag überschritten ist, grundsätzlich einen Arzt konsultieren und von diesem in eine Klinik überwiesen werden sollten. Bei Ablehnung sollten die Kassen in diesem Fall die Kosten für die Hausgeburt nicht mehr übernehmen. Diese Praxis ignoriere aber das unzureichende Mittel einer vorläufigen Errechnung des Geburtstermines. Errechnete Geburtstermine stellten nur eine Richtgröße dar, was allgemein bekannt sei.

Angriff auf Rechte der Eltern 

In scharfem Ton kritisierten die Hebammen weiter, dass diese Forderungen der Krankenkassen nicht nur von Unkenntnis physiologischer zusammenhänge zeugten, sondern auch gegen geltendes Recht verstießen.  Beschnitten werde sowohl das eigenverantwortliche Handeln der werdenden Mutter als auch das Recht der Eltern auf freie Wahl des Geburtsortes.

Seit dem 18. Mai laufen in Berlin Verhandlungen zwischen Hebammenverbänden und den Krankenkassen zum so genannten „Sicherstellungszuschlag“ und zu notwendigen qualitätssichernden Maßnahmen.  Schon 2014 gab es im so genannten „Hebammsenstreit“ zähe Verhandlungen zwischen den Verbänden, die auf die kritische Lage der freien Geburtshilfe in Deutschland und den bedrohten Berufsstand der Hebammen aufmerksam machten. Anlass waren damals die steigenden Beiträge zu den beruflichen Haftpflichtversicherungen der Hebammen.


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"Hebammenproteste: Warum die Politik jetzt handeln muss"

Interview mit Martina Klenk - Vorsitzende des Deutschen Hebammenverbandes zur Situation der freien Geburtshilfe (2014)

 

Foto oben: Hartmut910 / pixelio.de