Hauptregion der Seite anspringen
Digitalisierung

Elektronische Patientenakte: Krankenkassen und Ärztebund warnen vor Hau-Ruck-Desaster

Von Minister Spahn ausgeübte Zeitdruck 'kontraproduktiv'
veröffentlicht am 05.04.2019 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Politik, Krankenkassen und Ärzte bringen die elektronische Patientenakte für alle auf den Weg  Politik, Krankenkassen und Ärzte bringen die elektronische Patientenakte für alle auf den Weg(c) fotolia.de / kebox
Die gesetzlichen Krankenkassen haben in einem Positionspapier vor einer überzogen beschleunigten Einführung der elektronischen Patientenakte gewarnt. Darüber berichtet der Berliner Tagesspiegel, dem das Dokument vorliegt. Auch der Marburger Bund meldet ernste Bedenken gegen die ePA an.

2019-04-05T10:51:00+00:00
Werbung

Enttäuschung über ePA 'vorprogrammiert'

Der von Gesundheitsminister Spahn (CDU) ausgeübte Zeitdruck sei „kontraproduktiv“, so der  Vorstandsvorsitzende der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), Hans Unterhuber, gegenüber der Presse. Wenn ähnlich wie zuvor bei der Elektronischen Gesundheitskarte nur „viel Geld in den Sand“ gesetzt werde, hätten Krankenversicherte und Patienten keinen nennenswerten Nutzen, so Unterhuber weiter.

Die zeitlichen Vorgaben sehen eine vollständige Einführung der mobil zugänglichen elektronischen Patientenakte bis 2021 vor. Den Krankenkassen drohen bei Nichteinhaltung empfindliche finanzielle Sanktionen. Die Krankenassen warnen in ihrem Positionspapier vor einer vorprogrammierten Enttäuschung, wie sie durch den so erzeugten Handlungsdruck entstehe.

Ärzte fordern Weitergabeverbot für Daten

Auch der Marburger Bund meldete Bedenken gegen das Projekt an. In einem aktuellen Positionspapier warnte die Ärzteorganisation davor, die Versicherten zur „Preisgabe ihrer Daten“ zu verführen. Gesetzliche und private Krankenkassen dürften „weder heute noch in Zukunft von ihren Versicherten verlangen, Krankheitsdaten preiszugeben, indem sie beispielsweise finanzielle Vorteile versprechen.“


Welche Krankenkassen bieten eine elektronische Patientenakte an bzw. entwickeln diese? >>> Krankenkassentest


Ein solches Verwendungs- und Weitergabeverbot müsse auch für die elektronische Gesundheitsakte gelten, die derzeit schon von einigen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen angeboten werden, so der Marburger Bund weiter.
Weiterhin warnte der Marburger Bund davor, dass die Einzel-Lösungen einiger Krankenkassen, die eigenständig eine Patientenakte entwickelt haben, automatisch zum verbindlichen Standard werden. Vor allem seien Alternativen zur Datenspeicherung auf zentralen Servern zu suchen.    

Elektronische Gesundheitskarte nicht abschreiben

Auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) als ursprünglicher Funktionsträger einer Patientenakte ist für die Ärzte noch lange kein Auslaufmodell. Die eGK sei „besser als ihr Ruf", so der Marburger Bund. Notfalldaten und Medikationspläne könnten dort unabhängig von der Möglichkeit eines Zugriffs auf eine elektronische Patientenakte gespeichert und abgerufen werden.

 

Weiterführende Artikel:
  • "Ich bin nicht der Einzige der langsam ungeduldig wird"
    Die umfassende digitale Vernetzung mit Hilfe der Elektronischen Gesundheitskarte lässt weiter auf sich warten. Die AOK ist wie die TK mittlerweile dabei, eine eigene Lösung zu entwickeln.
  • Ich sehe die digitale Selbstbestimmung als gefährdet an.
    Immer wieder betonen Politik, Krankenkassen und IT-Unternehmen, dass Datenschutz und Datenhoheit der Versicherten an erster Stelle stehen, wenn im Gesundheitswesen alle medizinischen Daten miteinander vernetzt werden. Dr. Bernhard Scheffold vom Verein Patientenrechte-Datenschutz e.V. hält das für eine Illusion.
  • Guter Start für elektronische Patientenakte vivy
    Mehr als 50.000 Versicherte haben sich die digitale Patienten-App vivy seit dem Start heruntergeladen. Das erste marktfähige Angebot einer digitalen und mobilen Gesundheitsakte (Patientenakte) ist offiziell seit Montag, dem 17. September verfügbar.
  • "Die öffentliche Wahrnehmung hat leider getrogen"
    Die Sicherheitspanne bei einer AOK-App oder die Kritik an der Patientenakte 'vivy' haben gezeigt: Die Sorge der Datenschützer im derzeitigen Digitalisierungsschub ist mehr als berechtigt. Auch der SBK-Vorstandschef Dr.
  • Patientenakte kommt für alle als App
    Vertreter von Politik, Krankenkassen und Ärzteschaft haben sich bei Verhandlungen in Berlin auf gemeinsame Standards und einen Fahrplan für die elektronische Patientenakte geeinigt. Diese Anwendung soll den Arztbrief und viele weitere Dokumente ersetzen und bis spätestens 2021 zur Verfügung stehen.

 

Bewerten Sie uns 4,8 / 5

4313 Besucher haben in den letzten 12 Monaten eine Bewertung abgegeben.

Kategorien