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Gesundheitspoltitik

„Das werden wir nicht bewältigen können“ - Hausärzte kritisieren Massentests

Offener Brief zweifelt Machbarkeit und Sinnhaftigkeit an
veröffentlicht am 04.08.2020 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Labortest Labortest(c) Belova59 / Pixabay / CC0
Die angekündigte Politik der ausgeweiteten Massentests auf das Corona-Virus ist von mehr als 60 Hausärzten aus der ganzen Bundesrepublik in einem offenen Brief kritisiert worden. In dem Schreiben, das sich an Bundesgesundheitsminister Spahn und den bayrischen Regierungschef Söder richtet, kritisieren sie 'unausgegorene' und 'nicht abgesprochene Maßnahmen' durch Politiker.

2020-08-04T18:15:00+02:00
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Weiterhin klagen sie über die "Missachtung“ ihrer Arbeit und sogar über eine "Sabotage 'von oben'".   

Praxen und Labore an der Kapazitätsgrenze

Anlass des Brandbriefs sind die seit Anfang August eingeführten Pflichttests für Rückkehrer aus Risikogebieten. Die Hausärzte bezweifeln, dass der dadurch zu erwartende Mehrandrang in den Arztpraxen zu bewältigen ist. Auch die Labore seien an der Kapazitätsgrenze und könnten eine weitere Ausweitung der Tests nicht verkraften. Zudem ergäbe eine einmalige Testung medizinisch ohnehin wenig Sinn.

Pflicht auf Test innerhalb von 72 Stunden

Das Bundesgesundheitsministerium hatte angekündigt, noch im Verlauf der ersten Augustwoche eine Verordnung auf den Weg bringen, nach der sich jeder Rückkehrende aus einem Risikogebiet innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise testen lassen muss. Eine konzeptlose und allein zahlenmäßige Ausweitung der Tests, wie sie in Bayern durch die Gesundheitsministerin Huml angekündigt wurde, sehen die Hausärzte als nicht sinnvoll an. Sie verbrauchten lediglich mehr Ressourcen, führten jedoch nicht zu besserem Schutz. Die veranschlagte niedrige Vergütungspauschale von 15 Euro je Test bezeichnen die Kritiker in dem Schreiben als „grotesk“ und „eine Missachtung unserer Arbeit."

"Haben wir keine Patienten zu versorgen?"

Dieser drastischen Kritik stellen die Ärzte ihre aus ihrer Sicht drängenden Fragen anheim: "Haben wir keine Patienten zu versorgen? Sind unsere Praxen überhaupt baulich und personell in der Lage, neben dem regulären Praxisbetrieb eine kleine Teststation aufzubauen? Werden solche Fragen überhaupt in der Politik überlegt?"

Das Schreiben endet mit einem eindringlichen Appell an die verantwortlichen Politiker. Diese sollten ihre Entscheidungen „ rational, ressourcengerecht“ und „praktikabel umsetzbar“ gestalten, „..denn sonst scheitern Ihre Ansätze an der mangelhaften Umsetzbarkeit".

 

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