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Gesundheit

Ärzte in Sorge: Fast jede zweite OP bei Kindern fiel wegen Corona aus

Kinder- und Jugendärzte-Präsident: Dramatische Behandlungsrückgänge
veröffentlicht am 18.12.2020 von Redaktion krankenkasseninfo.de

Corona: Zahl der OP's an Kindern und Jugendlichen 2020 stark gesunkenCorona: Zahl der OP's an Kindern und Jugendlichen 2020 stark gesunken(c) Getty Images / FamVeld
Die Corona-Pandemie hat starke negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung von Minderjährigen. Im Vergleich zu 2019 fiel nahezu die Hälfte aller Operationen von Kindern und Jugendlichen aus. Mediziner sind besorgt und erwarten nun mehr schwere Krankheitsverläufe

2020-12-18T16:45:00+01:00
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Am meisten gingen dabei Behandlungen von Infektionen, Verletzungen, Asthma und bestimmten psychischen Erkrankungen zurück. Die Ursachen dafür liegen laut einer Analysestudie im Auftrag der DAK in den verschobenen Behandlungen und einem insgesamten Rückgang von Klinikaufenthalten aus Angst vor Ansteckungen.

Angst vor Ansteckung verhinderte Behandlungen

„Aus Angst vor Ansteckung wurden viele notwendige Untersuchungen nicht oder sehr spät durch die Eltern und Sorgeberechtigten veranlasst“, so Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Direktor des Universitätsklinikums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Bielefeld. „Dies hatte zur Folge, dass wir vermehrt schwere und komplizierte Verläufe bei chronischen Erkrankungen, wie Diabetes melllitus, oder auch bösartigen Neuerkrankungen erleben mussten.“

Dr. Thomas Fischbach Dr. Thomas Fischbach(c) kinderaerzte-im-netz.de - bvkj
Mediziner zeigen sich darüber besorgt und erwarten aufgrund dieser Entwicklungen nun einen Anstieg von schweren Verläufen bei chronischen Erkrankungen von Kindern. „Die dramatischen Behandlungsrückgänge bei ernsten Erkrankungen wie Asthma und psychischen Erkrankungen sind beunruhigend“, sagt Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Für die Analyse hatten Forscher der Uni Bielefeld die anonymisierten Krankenhausdaten von über 750.000 minderjährigen DAK-Versicherten zwischen null und 17 Jahren ausgewertet. Als ein Kernergebnis fanden sie heraus, dass während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 fast jede zweite Operation (45 Prozent) bei jungen Patienten nicht durchgeführt wurde. Darüber hinaus ging die Zahl der Krankenhausbehandlungen aller Altersgruppen um 41 Prozent zurück.

DAK-Chef fordert Konsequenzen

DAK-Vorstandschef Andreas Storm wertet diese Zahlen als ein „deutliches Warnsignal“. In der aktuellen Corona-Diskussion spielte „die Kinder- und Jugendgesundheit eine zu geringe Rolle.“, so Storm.  „Das müssen wir ändern, um langfristige Folgeschäden zu vermeiden.“

Quelle: DAK Gesundheit

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