Werbung

Crystal Meth verantwortlich für Anstieg der Drogentoten

16.07.2015

Die Zahl der Chrystal-Meth-Konsumenten steigt Die Zahl der Drogentoten in Deutschland steigt erstmals seit 2009 wieder an. An dieser Entwicklung hat der Siegeszug der synthetischen Modedroge Crystal Meth einen großen Anteil, wie der Drogenbericht des BKA gezeigt hatte. Der wachsende Missbrauch synthetischer Substanzen wie Chrystal stellt die Drogenpolitik und die Sozialsysteme vor neue Herausforderungen. Für die Versorgung von Opiatabhängigen kündigte die Bundesregierung bereits im Mai 2015 Änderungen an.

Hohe Dunkelziffer bei den Konsumenten

Ab 1932 sei das Amphetamin das erste mal durch das US-Pharmaunternehmen Smith, Kline and French vertrieben worden, sagt Leo Hermle, Ärztlicher Direktor des Klinikums Christophsbad in Göppingen gegenüber "zeit.de". Unter dem Markennamen "Benzedrin" verschrieb man den Stoff gegen verschiedene Gebrechen: beispielsweise bei Schnupfen, Asthma, Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) und bei depressiven Verstimmungen. In der Nazizeit sei sie als "Pervitin" in millionenfachen Dosen an die deutsche Wehrmacht verteilt worden – zur Steigerung von Leistungsfähigkeit und Konzentration. Laut epidemiologischen Studien sind derzeit 80 bis 90 Prozent der Konsumenten in Deutschland Männer, die meisten Anfang 20. Zudem gibt es ein großes Dunkelfeld, das geht aus dem Drogen und Suchtbericht 2014 hervor.

Neue Anti-Drogen Kampagne in Dresden

„Karriere und Kinder? Schaffen wir ohne Crystal!“ Das ist einer der Dresdner-Leitsprüche im Kampf gegen das Amphetamin. "Das ganze Wochenende feiern können wir ... ohne Crystal! Und Ihr?", steht auf einem anderem Plakat, das in der Dresdner Innenstadt an vielen öffentlichen Plätzen zu finden ist. Die Botschaft ist dabei klar: Partys ohne Drogen sind möglich.

"Wir wollten provozieren", sagt Kristin Ferse, die Suchtbeauftragte der Stadt Dresden, der „Süddeutschen Zeitung“. Kristin Ferse hat die Plakataktion zu verantwortet. Das Bild mit der Familie sei - neben dem Party-Motiv - ganz bewusst ausgewählt worden, weil man damit eine Zielgruppe habe ansprechen wollen, die bisher von der Drogenberatung kaum erfasst werde. "Die ersten Entwürfe für die Plakate waren Abschreckungsbilder. Ausgefallene Zähne, zerkratzte Haut, solche Sachen", sagt Ferse. "Aber das war für uns nicht der Ansatz, weil wir glauben, das Abschreckung nicht funktioniert", so die Suchtbeauftragte.

Die Stadt Dresden reagiert damit auf das anhaltende Drogenproblem der Stadt, die nur etwa 50 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt ist. Mehrere Medien hatten über eine Studie berichtet, bei der die Forscher während einer Woche im Jahr 2013 Drogenrückstände in Abwasser analysiert haben. Die Werte für Kokain und Cannabis waren in Dresden vergleichsweise niedrig, bei Crystal Meth liegt die sächsische Hauptstadt allerdings hinter Oslo auf Platz zwei.

Beratung und Unterstützung für Betroffene

Hilfe und fachlich versierte Unterstützung für Suchtbetroffene bieten die Drogenberatungsstellen. Weiterhin haben viele Kommunen für die Klientel der Chrystal-Meth-Süchtigen extra anonyme Beratungsangebote eingerichtet. Auch die Bundesregierung hat gehandelt. Das neue Präventionsgesetz sieht eine Aufstockung finanzieller Hilfe für Selbsthilfegruppen sowie eine stärkere Unterstützung der Suchtprävention vor.

 

Bildquelle: Bernd Kasper / pixelio.de