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Chipkarte für Flüchtlinge: Hamburg und Bremen kooperieren bei medizinischer Versorgung mit der AOK

28.08.2015

 Auch das Gesundheitswesen in Deutschland wird durch die steigenden Flüchtlingszahlen vor große Herausforderungen gestellt. Damit eine medizinische Betreuung unter den neuen Bedingungen sichergestellt werden kann, braucht es ein Umdenken beim Gesetzgeber, bei Behörden und Kommunen. Die Städte Hamburg und Bremen gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran und setzen bei der Gesundheitsfürsorge für Flüchtlinge und Asylbewerber auf die Kooperation mit einer gesetzlichen Krankenkasse. Das Überraschende dabei ist: Durch dieses Modell spart Hamburg finanzielle und personelle Ressourcen in Millionenhöhe.  

Kommunen fungieren als Krankenkasse

Wer als anerkannter Antragsteller auf Asyl einen Art konsultieren möchte, muss dazu jedes mal einen Antrag beim zuständigen Sozialamt stellen. Bewilligt wird dieser dann in der Regel lediglich bei akuten Erkrankungen. Die Entscheidung darüber,ob eine  Behandlung nötig ist oder nicht, überlässt man dabei nicht den Medizinern, sondern legt diese in die Hände oftmals überlasteter Sachbearbeiter. Diese geltende Regelung steht zu recht in der Kritik. Zum einen gefährdet sie die Gesundheit von Menschen, die auf fachliche Hilfe angewiesen sind – zum anderen ist sie wegen des hohen bürokratischen Aufwandes auch noch teuer. Denn zu den eigentlichen Behandlungskosten kommen noch teilweise sehr hohe Verwaltungskosten hinzu. De facto werden die Kommunen in die Rolle der Krankenkasse gezwungen, wenn sie ihrer Versorgungsplicht nachkommen möchten. Auch Ärzte und Behandlungszentren haben wegen der komplizierten Abrechnungsvorgänge einen Mehraufwand im Vergleich zu regulären  Kassenpatienten.   

"Hamburger Modell" mit vielen Vorteilen für alle Seiten

Die Stadtstaaten Hamburg und Bremen dagegen gehen einen völlig anderen Weg. Dort haben die Behörden einen Vertrag mit der  AOK abgeschlossen, die ihnen das gesamte Fallmanagement für jede medizinische Behandlung abnimmt – von der Bewilligung bis zur Prüfung der Abrechnung. Asylbewerber erhalten in Hamburg eine Gesundheitskarte, mit der sie ganz normal zum Arzt gehen können. In Hamburg entscheiden also Ärzte anstatt medizinischer Laien in Behörden darüber, ob und welche Behandlung angemessen ist. Die Arztpraxen können die Behandlung von Asylbewerbern ganz normal über die Krankenkasse abrechnen, auch wenn diese über keine Mitgliedschaft im eigentlichen Sinne verfügen. Die Krankenkasse kann statt teurer Einzelverträge die Behandlungen quartalsweise mit den Ärzten abrechnen, wodurch auch bei den Behandlungskosten eingespart werden kann. Weil die Prüfung und Abrechnung der Vorgänge mit der üblichen Kassensoftware erfolgt, konnte Hamburg auf ein ganzes Bürogebäude samt Mitarbeitern verzichten. „Was für die Kassen Routine ist, ist für eine Behörde wie uns ein Riesenaufwand.“, fasste Frank Burmeister von der Hamburger Sozialbehörde zusammen. Die jährliche Einsparung bezifferte der Experte mit über einer Million Euro. Dieses „Hamburger Modell“ macht offenbar bundesweit Schule, denn laut Burmeister interessieren sich auch Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Brandenburg für das System.

 

Quelle: ZEIT online

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