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Behandlungsfehler der Ärzte - Gemeldete Verdachtsfälle steigen

13.05.2016

 Immer mehr gesetzliche Versicherte nutzen die Möglichkeit, sich im Falle des Verdachts auf ärztliche Behandlungsfehler an ihre Krankenkasse um Hilfe zu wenden. Das geht aus aktuellen Zahlen des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) hervor. Allein im Jahr 2015 wurden nahezu 15.000 Fälle dem MDK zur Begutachtung eingereicht, knapp die Hälfte davon Operationen. Weitere Bereiche, in denen Verdachtsfälle auftraten, waren die Innere Medizin, die Chirurgie oder die Zahnmedizin. Bei circa 25 Prozent aller Vorwürfe wurde der Verdacht bestätigt. Dabei kamen die Gutachter sehr häufig zu dem Schluss, dass notwendige medizinische Maßnahmen nicht oder zu spät durchgeführt wurden.

Patienten haben Rechte

Die Meldung von Verdachtsfällen gehört zu den grundlegenden Patientenrechten. Ein möglicher erster Schritt ist es, sich bei konkretem Verdacht an den behandelnden Arzt zu wenden und zu fragen, ob ein Fehler vorliegen könnte. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die Ärzte auf konkrete Fragen verpflichtet sind auch zu antworten. Für eventuelle spätere Rechtsstreitigkeiten ist es ratsam, für die Nachfrage einen Zeugen mitzunehmen, der die Aussagen beweiskräftig bestätigen kann. Sie empfehlen Patienten vor kritischen Therapien oder Operationen allgemein, sich bereits während der Behandlungen Notizen über alle erfolgten Schritte und die Namen des Fachpersonals und eventuell des Bettnachbarn zu machen.  

 


Wie helfen die Krankenkassen bei Verdacht auf Behandlungsfehler?  >>> Zum Krankenkassentest

Wohin wenden bei Verdacht?

Für eine außergerichtliche Lösung des Konfliktes können sich Patienten entweder an die Bundesärztekammer, genauer an die dortige Schlichtungsstelle oder an ihre Krankenkasse wenden. Beide Varianten sind kostenlos. Im ersten Fall ist allerdings ein Einverständnis des Arztes für ein Schlichtungsverfahren erforderlich.   
Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten gezielte Unterstützung und Begleitung in Verdachtsfällen. Einige haben eigene Beratungsstellen eingerichtet. Nach Prüfungen der Behandlungsunterlagen kann bei gesicherten Hinweisen auf mögliche Behandlungsfehler ein Gutachten beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) in Auftrag gegeben werden.
Ein bestätigendes Gutachten des MDK gilt sowohl für außergerichtliche Verfahren als auch bei Arzthaftungsprozessen als Beweismittel. Die Crux für die Betroffenen liegt bei der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen nicht darin nachzuweisen, dass es einen Behandlungsfehler gab, sondern dass genau dieser Fehler verantwortlich für den erlittenen Schaden sein soll. Eine weitere Hürde sind außerdem mögliche Verjährungsfristen. Eine verbindliche Rechtsberatung sollte daher unbedingt bei einem Fachanwalt für Medizinrecht eingeholt werden.

 

Foto oben: (c) fotolia.com / Zerbor