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Ausgaben der Krankenkassen für Hilfsmittel wie Sehhilfen und Inkontinenzartikel weiter gestiegen

31.08.2016 Im Jahr 2015 wurden 637 Millionen Euro für Hilfsmittel bei den gesetzlichen Krankenkassen durch die Apotheker abgerechnet, das teilt der Deutsche Apothekerverband (DAV) mit. Insgesamt gaben die Kassen 7,6 Milliarden Euro für Hilfsmittel im vergangenen Jahr aus - 2010 waren es noch knapp 6 Milliarden Euro. Außerdem soll der Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung die Qualität von Hilfsmitteln verbessern.

Über 600 Millionen Euro pro Jahr

Hilfsmittel sind keine Arzneimittel, sondern Gegenstände, die bei Vorliegen entsprechender Beeinträchtigungen Körperfunktionen ersetzen, ergänzen oder erleichtern. In 2015 wurden insgesamt 637 Millionen Euro für Hilfsmittel, darunter 246 Millionen Euro für Applikationshilfen wie Insulin-Pens, 137 Millionen Euro für Inkontinenzhilfen wie Bettbeutel, 92 Millionen Euro für Hilfsmittel zur Kompressionstherapie wie beispielsweise Kompressionsstrümpfe, 17 Millionen Euro für Milchpumpen und 16 Millionen Euro für Sehhilfen beziehungsweise Augenpflaster von den Ärzten verordnet, von den Apotheken ausgehändigt und über die Krankenkassen abgerechnet. Die Zahlen berechnete das Deutsche Arzneiprüfungsinstituts (DAPI).

Neues Gesetz soll Hilfsmittelverzeichnis ändern

Dem Referententwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung des Bundesgesundheitsministeriums zufolge, darf der Preis bei Ausschreibungen in Zukunft nicht mehr Ausschlusskriterium sein. Qualitätskriterien wie technischer Wert, Zweckmäßigkeit und Lieferbedingungen müssten berücksichtigt zu mindestens 40 Prozent berücksichtigt werden. Außerdem sollen Exklusivverträge mit Herstellern verboten werden und Versicherte sollen eine Wahl zwischen mehreren aufzahlungsfreien Hilfsmitteln haben. Dazu soll das Hilfsmittelverzeichnis überarbeitet und danach kontinuierlich gepflegt werden. An der Ausschreibungsmethode will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe indes nichts verändern.

Apotheker kritisieren Gesetzesentwurf

Dr. Rainer Bienfait, stellvertretender DAV-Vorsitzender, begrüße zwar die Stärkung der Hilfsmittelversorgung, habe allerdings erhebliche Zweifel, ob dies mit dem vorliegenden Gesetz gelingen wird. "Verstärkte Dokumentationspflichten werden zu einem erheblichen bürokratischen Mehraufwand führen, so dass gerade kleine Apotheken im ländlichen Raum womöglich ihr Engagement in der Hilfsmittelversorgung überdenken müssen“, so Bienfait.

Zudem sieht der DAV-Vize Probleme bei den Exklusivausschreibungen der Krankenkassen. Es werde trotz eines neu eingeführten Qualitätskriteriums dabei bleiben, dass der niedrigste Preis das vorrangige Kriterium für den Zuschlag ist. „Dies war und ist leider überhaupt nicht patientengerecht."
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