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Kliniken

Krankenhauskeime – ein Problem in deutschen Kliniken

Alarmierende Zahlen zeigen: Die Sorge vor Ansteckung ist berechtigt
veröffentlicht am 02.11.2017 von Redaktion krankenkasseninfo.de

gegen gefährliche Krankenhauskeime ist selbst die gründlichste Hygiene oft machtlosgegen gefährliche Krankenhauskeime ist selbst die gründlichste Hygiene oft machtlos(c) Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden, plagt häufig die Angst, sich während des Krankenhausaufenthalts mit Keimen anzustecken. Diese Sorge ist nicht ganz unbegründet, da es in Deutschland immer wieder zu Infektionen von Patienten mit Krankenhauskeimen kommt. Doch nicht jeder Keim ist gefährlich für Menschen.

2017-11-02T09:12:00+00:00
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Was sind Krankenhauskeime?

Keime bzw. Krankheitserreger können neben Bakterien und Viren, Algen, Protisten, Parasiten, Viroide, Prionen und Pilze sein. Grundsätzlich gelten alle Mikroorganismen, die eine mit einer medizinischem Maßnahme zusammenhängende Infektion auslösen können, als Krankenhauskeime. Dies sind beispielsweise Keime, die in der Luft vorkommen oder bestimmte Bakterien, die natürlicherweise in der menschlichen Darmflora auftreten.

Typische Verbreitungsorte für diese Mikroorganismen sind neben Krankenhäusern Alten- und Pflegeheime. An Orten, an denen viele kranke und geschwächte Menschen zusammenkommen, ist demnach ein besonders hoher Hygienegrad gefordert.

Was macht Krankenhauskeime so gefährlich?

Es ist natürlich, dass der menschliche Körper zahlreiche Keime enthält. Diese stellen normalerweise keine Gefahr für Menschen dar. Gelangen solche Keime aber in Körperbereiche, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen oder gar in offene Wunden, werden sie zum Risikofaktor.
Ganz allgemein kann festgehalten werden, dass einige Keime für gesunde Menschen vollkommen unbedenklich sind, während sie bereits geschwächte, kranke Personen ernsthaft gesundheitlich gefährden können. Insbesondere Patienten, die nach einer Operation noch geschwächt sind, stecken sich leichter mit Krankenhauskeimen an, was wiederum zu einer Folgeerkrankung führen kann. Besonders häufig erleiden Patienten in der Folge eines Krankenhausaufenthalts Wundinfektionen, eine Blutvergiftung sowie Harnwegs- und Atemwegsinfekte. Die Krankheit, wegen der Personen ins Krankenhaus kommen, ist in diesen Fällen also nicht diejenige, an der sie während ihres Krankenhausaufenthalts erkranken.

Die sogenannten multiresistenten Keime (MRE-Keime), mit denen sich Menschen im Krankenhaus anstecken können, sind ein besonders heikler Fall, da für deren Bekämpfung Antibiotika nur noch eingeschränkt und teilweise gar nicht eingesetzt werden können, sodass Patienten im weiteren Krankheitsverlauf sogar an den Folgen sterben können. Die Gefahr geht vor allem davon aus, dass diese Keime je nach Art resistent gegen verschiedene Antibiotika sind. Weit verbreitet sind vor allem die MRE-Stämme „Methicillin-resistente Staphylococcus aureus“, die unter der Kurzbezeichnung „MRSA“ bekannt sind.

Bei der Art der Infektion wird zwischen exogen und endogen unterschieden. Gelangen Krankheitserreger durch eine andere Person, beispielsweise durch einen Arzt oder eine Pflegekraft, in den Körper eines Patienten, handelt es sich um eine exogene Infektion. Wenn körpereigene Keime in Körperregionen gelangen, in denen sie normalerweise nicht vorkommen und es infolgedessen zur Ansteckung kommt, spricht man von einer endogenen Infektion.

Ansteckungsgefahr und Hygienemaßnahmen

Häufig sind die Träger von Krankenhauskeimen selbst nicht von einer Infektion betroffen, können diese aber auf andere Personen, besonders gesundheitlich geschwächte, übertragen. Aus diesem Grund ist ein hoher Hygienestandard besonders wichtig (besonders bei der Handhygiene). Denn in den meisten Fällen erfolgt die Übertragung von Krankheitserregern über die Hände.
Mittlerweile gibt es Maßnahmen, die diesen hohen Standard gewährleisten sollen. Zu diesen gehört beispielsweise die Überwachung des Verbrauchs von Handdesinfektionsmitteln in den Krankenhäusern, die sich als sehr effektiv erwiesen hat. Hiermit kann kontrolliert werden, wie gut die Hygienevorschriften vom medizinischen Personal umgesetzt werden.

Da sich in vielen Krankenhäusern aufgrund von Sparmaßnahmen der Trend hin zu „weniger Personal bei gleichem Arbeitsaufwand“ entwickelt, können manche Vorschriften allerdings nicht sachgemäß umgesetzt werden – die Zeit hierfür fehlt schlichtweg. Darunter leidet insbesondere die Hygiene. Die Krankenhäuser müssen ihren Mitarbeitern also genügend Zeit für hygienische Maßnahmen einräumen, um Erfolge in der Patientengesundheit zu erzielen.

Wichtig ist daneben auch die umfangreiche und intensive Reinigung der Krankenhausräumlichkeiten durch Reinigungspersonal. Denn auch Oberflächen, mit denen Träger von Krankenhauskeimen in Berührung kommen, bergen ein Infektionspotential (Schmierinfektion).

Eine wichtige Rolle bei der Eindämmung des Infektionsrisikos spielen auch die Patienten selbst sowie deren Besucher. Diese sollten sich zu ihrer eigenen Sicherheit und der anderer regelmäßig die Hände desinfizieren. In den deutschen Krankenhäusern wurden dafür Desinfektionsstationen eingerichtet. So sind in den Eingangsbereichen Spender zu finden, die insbesondere Besucher nutzen sollten, bevor sie weitere Krankenhausbereiche betreten und nach ihrem Krankenhausbesuch.

Konkrete Maßnahmen gegen Infektionen

Es wird dazu geraten, Risikogruppen bei der Aufnahme in ein Krankenhaus auf Krankheitserreger zu testen. Effektiv ist hier ein Nasen-Rachen-Abstrich. Zu den Risikogruppen gehören vor allem Personen, die auf eine Dialyse angewiesen sind, solche mit chronischen Wunden sowie Personen mit Dauerkathetern. Ergibt der Abstrich, dass ein Patient Keime wie MRSA in sich trägt, kann dieser im Krankenhaus isoliert untergebracht werden. Ist eine geplante Operation verschiebbar, kann im Krankenhaus außerdem zunächst eine Behandlung der Keime durchgeführt werden, sodass sich der Patient nach der OP ausschließlich von dieser erholen muss.

Immer häufiger wird außerdem eine grundsätzliche Einschränkung des Einsatzes bzw. ein gezielterer Einsatz von Antibiotika gefordert. Denn die Behandlung mit Breitbandpräparaten fördert die Resistenzen von Krankenhauskeimen.

 

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